Jüdisches Leben in Eisenachs Straßen

Was haben die jüdischen Zeitzeugen, die damals Kinder waren erlebt? Welche Quellen finden sich im Eisenacher Stadtarchiv?  Und was erinnert heute an die jüdischen Menschen, die damals aus Eisenach deportiert wurden oder fliehen mussten?

Alexander Scholz (14), Fabian Radke (14), Daniel Hörschelmann (13), Katharina Büchner (13) und Josefine Steingräber (12) aus Eisenach erforschen von April - November 2010 das einstige jüdische Leben der Stadt:  „Mit Unterstützung des Wartburg-Radios haben wir speziell die Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges unter die Lupe genommen“, erzählt Katharina.

Das Zeitenspringer Team mit Reinhold Brunner und Avital Ben Chorin
Das Zeitenspringerteam mit Avital Ben Chorin (2.v.r.) und Stadtarchivar Reinhold Brunner (1.v.r.)


Die dreizehnjährige Schülerin hat die Zeitzeugin Avital Ben Chorin, die heute in Jerusalem lebt, zu ihren Erfahrungen befragt: „Sie war genau so alt wie ich, als sie ganz alleine aus Eisenach fliehen musste, um nicht in die Hände der Nazis zu fallen. Ich könnte mir niemals vorstellen, meine Heimat und die Familie in dem Alter zu verlassen“. Katharina und die anderen haben ihr Projekt auf dem  6. Jugendgeschichtstag im Thüringer Landtag präsentiert. Insgesamt wurden 14 Geschichtsprojekte aus ganz Thüringen vorgestellt. Alle jungen Leute hatten beim Jugendprogramm „Zeitensprünge“ der Stiftung Demokratische Jugend mitgemacht. Die Eisenacher „Zeitenspringer“ haben über ganz persönliche Schicksale zur jüdischen Geschichte gefunden. „Das ist ein guter Trick, um Geschichte für junge Leute spannend zu machen“, so Dr. Reinhold Brunner vom Eisenacher Stadtarchiv, der bei einer Geschichts-Talkrunde im Landtag mitdiskutierte: „Solche emotionalen Zugänge zu historischen Ereignissen könnten so manche trockene Geschichtsstunde in der Schule aufpeppen“, ist sich der Archivar sicher.

Die Eisenacher Zeitenspringer haben ein halbes Jahr lang nach der Schule für ihr Projekt geforscht. Sie haben in den Archiven gekramt, Zeitzeugen interviewt und ihre Ergebnisse auf eine DVD gebrannt. Die DVD wird ist an Schulen, Bildungsträger und Jugendeinrichtungen verteilt worden, damit diese damit weiter arbeiten können.

Auf dieser DVD haben die Eisenacher „Zeitenspringer“ Archivquellen, Interviews (Tondokumente und Texte) sowie Fotos zusammengestellt aus Gesprächen mit:
 
Dr. Reinhold Brunner, Stadtarchivar in Eisenach,
den nichtjüdischen Zeitzeugen Christa Erhard-Boy, Barbara Kneise, Gerhard Helbig & Margit Aschmetat,
den jüdischen Zeitzeugen Avital Ben Chorin und Eva Feist
sowie Christiane Leischner vom Bündnis gegen Rechtsextremismus aus Eisenach.

Wer sich für die DVD interessiert, kann sich beim Wartburg-Radio 96,5 in Eisenach, Georgenstraße 43, Tel. 03691-881 883 melden. Außerdem sind alle Interviews als Ton- und Textdatei auf dieser Website abrufbar. Sie soll außerdem eine Plattform für andere spannende Geschichtsprojekte und Zeitzeugeninterviews werden.

„Was Leute in unserem Alter damals erlebt haben, können wir uns heute nicht mehr vorstellen - was für Qualen & Ängste sie wohl durchlebt haben. Deshalb ist es wichtig sich an die Deutsche Geschichte zu erinnern, darüber reden und nicht zu schweigen“ sagt Katharina und die anderen Zeitenspringer nicken mit den Köpfen,“ So etwas darf nie wieder in der Geschichte passieren und wir müssen alle dazu beitragen“. Deswegen haben die Jugendlichen noch eine dreiteilige Radiosendung zum Thema „Jüdisches Leben in Eisenachs Straßen“ gestaltet, die im Dezember 2010 im Wartburg-Radio ausgestrahlt wurde.

 

„Jüdisches Leben in Eisenachs Straßen“ ist ein Projekt des Wartburg-Radio 96,5 & des Landesjugendringes Thüringen e. V. in Kooperation mit dem Jugendprogramm ZEITENSPRÜNGE, der Stiftung Demokratische Jugend und des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit.

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